Chöre und Chorprojekte

Chor – ein Bild der Gesellschaft

Im Chor arbeiten wir subtil an der Gesellschaftsfähigkeit des Individuums, denn für jeden Chorsänger ist es wichtig die Erfahrung zu machen, dass er eine eigene Stimme zu singen und zu halten hat, dass er gleichzeitig Teil einer Stimmgruppe ist, die einen festgelegten Part in der Gemeinschaft zu erfüllen hat, und dass er übergeordnet auch ein Teil eines großen Ganzen ist. Er darf erfahren, dass seine individuelle Stimme gebraucht wird, und dass er sich aber gleichzeitig in den Dienst eines gemeinsamen Werkes stellen muss.

Die Stimmgruppen im Chor sind mit Gruppierungen der Gesellschaft zu vergleichen. Es wird immer verschiedene Gruppen geben, ob diese nun Parteien, Religionsgemeinschaften, Kasten oder Einteilungen anderer Art sind, im Chor gibt eben die Soprane, die Altistinnen, die Tenöre und die Bässe.

Ein Solist ist ein Anführer, der in einem bestimmten Stück in den Vordergrund zu treten hat, um etwas zu sagen, während alle anderen ihn nur begleiten. Das macht den Solisten allerdings nicht zu einem besseren Sänger, denn auch er erfüllt nur einen Teil im Gesamtgeschehen. Wer dies vergisst oder übersieht, wer als Solist meint, dass er mit den einfachen Sängern nichts zu tun hat, schadet letztlich dem Klang.

Im Chor geht es nie um die Profilierung einzelner, sondern immer um das zu erarbeitende und zu gestaltende Gesamtkunstwerk, in dem jeder einzelne seinen Part zu erfüllen hat und auch gebraucht wird. Wir bilden keine Minderheiten. Schon gar nicht grenzen wir jemanden aus, nicht einmal den sogenannten Brummer. Wir inte­grieren und vertrauen darauf, dass die Gemeinschaft stark genug ist, einzelne mitzutragen. Wir wünschen, dass die Schwächeren von den Stärkeren lernen dürfen und auch wollen und, dass die Stärkeren bereitwillig ihre Fähigkeiten zur Verfügung stellen, ohne dabei aufdringlich zu sein oder gar arrogant zu werden, weil sie glauben etwas besseres zu sein.

Die Fähigkeiten und Qualifikation des Chorsängers liegen nicht allein im sogenannt richtigen Ton, sondern auch in den Bereichen Fähigkeit zum Miteinander, harmonische Bewegung, „schöne“ Klangfarbe, Talent zum Solo, Organisation und künstlerische Gestaltungskraft. Es geht nicht ums Gewinnen und auch nicht ums „besser sein“. Wer nur laut ist, hat nicht immer recht und wer am schnellsten singt, kommt deshalb nicht vor den anderen an.

Alle machen Fehler, dürfen dieses auch, denn Perfektion ist ein Prozess und kein Zustand.

Sowohl ein Chor als auch eine Gesellschaft sind ein lebendiger Organismus, in der viel individuelles möglich und erwünscht ist, denn wir wollen einen lebendigen und keinen sterilen Klang, aber wir hoffen, dass das Prinzip von Gemeinschaft und Miteinander verstanden wird. Es gibt keine perfekte Musik, aber es gibt ein vollkommenes Wohlempfinden und Zufriedensein für Sänger und Zuhörer im gemeinsamen Klanggestalten und Klangerleben.

Denkt immer daran: Nicht jeder muss das selbe einbringen, aber jeder sollte sich mit seinen Qualifikationen und Talenten großzügig und voll einbringen und seinen Beitrag zum Ganzen freudvoll beisteuern, sowohl in einem Chor wie auch in einer Gemeinschaft oder Gesellschaft.

Kabir Bäter leitet ein Männer-Ensemble
bestehend aus 9 Sängern, die mit Stücken aus den Bereichen Pop, Schlager, Plattdeutsch, Gospel, Barbershop und vielem mehr sich selbst in verschiedenen Rollen und Klängen erleben. Die Gruppe arbeitet an ihrem Klang, um nicht nur Stücke herunter zu singen, sondern sie plastisch lebendig zu gestalten und als Klangwelt für die Zuhörer erfahrbar zu machen. Auch für Tanzeinlagen im Stil der „Chippendales“ sind sich die Männer nicht zu schade. Das Ensemble arbeitet mit Freude und mit Gemeinschaftssinn. Abhören ist nicht nur erlaubt sondern erwünscht. Klänge und Töne sollen sich zusammenfügen und verbinden, um aus einzelnen Frequenzen ein lebendiges Klanggebilde zu erschaffen, welches die Grenzen der Personen transzendiert. Die Proben werden nach Bedarf und Möglichkeit vereinbart. 

Chorprojekte für Männer

„Mann“ kann auch anders / „Mann“ singt wieder / Singen kann „Mann“ lernen / Mann“ singt sich frei
Das Institut für Atemzentrierte Stimmbildung veranstaltet regelmäßig Gesang-Projekte für Männer. In sechs wöchentlichen Proben mit einem Abschluss-“Konzert“ werden leichte Chorsätze aus den Bereichen Plattdeutsch, Gospel, Pop, Klassik und mehr einstudiert. Vorkenntnisse sind nicht notwendig, allerdings braucht „Mann“ Ohren, die hören und darüber hinaus: Freude am Singen, Neugier, Abenteuerlust und Gemeinschaftssinn. Dann kann „Mann“ Facetten von sich entdecken und zeigen, die sonst im Verborgenen schlummern. Siehe Aktuelles, bzw. lasst euch über den Newsletter informieren.