Die „Atemzentrierte Stimmbildung“ kann sowohl Sängern und Sängerinnen, als auch Menschen, die beruflich ihre Stimme täglich als ein Werkzeug benutzen, wie z. B. Lehrern, Pastoren und Lektoren oder Rednern, helfen, die Möglichkeiten ihres sprachlichen oder sängerischen Ausdrucks zu erweitern.
Menschen, die ob ihres Berufes mit der Stimme arbeiten, wissen, dass die Stimme ein sehr sensibles Instrument ist, dessen Beherrschung wichtig ist, um das Gegenüber zu erreichen und den gewünschten Inhalt zu transportieren. Aber auch die Gefahren, die Stimme zu überanstrengen, heiser zu werden, oder gar die Stimme zu verlieren, sind nicht zu unterschätzende Befürchtungen, die einen Menschen begleiten können.
In der Stimmbildung wird der Körper mit seinen unterschiedlichen Möglichkeiten stimmlichen Ausdrucks erschlossen. Einzelne Themen wie Register und Übergänge, Atemräume und Atemtechnik, Klangvielfalt und Klangfarben, Ansatzpunkte, Raum oder Zentrum stehen im Vordergrund. Die Stimmbildung greift also ein Thema heraus und arbeitet dort in der Tiefe gezielt unter verschiedenen Aspekten mit unterschiedlichen Übungen. Wichtig sind hier die Erfahrbarkeit und eine daraus entstehende Bewusstheit. Stimmbildung ist die Arbeits-methode, um sich den gesamten Körper als klingenden Resonanzraum zu erschließen. Durch ein bewusstes, gezieltes Lenken des Atems in verschiedene Körperregionen (in der Einatmung) wird der tönende Ausatem eine jeweils andere Klangfarbe annehmen, wenn er in Verbindung mit der jeweiligen Körperregion bleibt. Voraussetzung dafür sind Sammlungskraft und ein waches, spürendes Bewusstsein. Der Atem folgt der Aufmerksamkeit, das heißt, wenn ich mich an einer Stelle sammle, werden sich Aufmerksamkeit, Bewusstsein, Wachheit und spürende Wahrnehmung an dieser Stelle einfinden. Ein- und Ausatem gehen dann zu dieser Stelle und von dieser Stelle aus. Wird dieser Atemprozess mit Stimme, d. h. mit Klang, verbunden, entsteht daraus eine bestimmte Klangfarbe. Mittels der verschiedenen Übungen der Stimmbildung werden so sämtliche Körperregionen zu Klangzentren bzw. Klangräumen. In dem Prozess hört der Stimmbildner die Farbe ab, schließt zurück auf die benutzten Räume und Zentren und bietet dem Schüler durch gezielte Übungen Alternativen an, um ein möglichst vielfältiges Spektrum der Möglichkeiten zu erreichen, mit der Stimme umzugehen.